Jeden Mai, meist rund um Christi Himmelfahrt, geschieht in Coutances etwas leise Außergewöhnliches — etwas, auf das wir uns das ganze Jahr über freuen. 🌱
Für eine volle Woche wird diese kleine Kathedralstadt in der Manche — sonst bekannt für ihre Märkte, steinernen Straßen und die von Notre-Dame geprägte Silhouette — zum Zentrum eines der angesehensten Jazzfestivals Europas.
Jazz sous les Pommiers ist ein jährliches, einwöchiges Jazzfestival in Coutances, das während der Himmelfahrtswoche im Mai stattfindet.
Der Name bedeutet „Jazz unter den Apfelbäumen“, was sich sofort richtig anfühlt, sobald man es selbst erlebt hat. 🍎🎶
Das hier ist kein Nebenbühnen-Festival. Keine Frühlings-Hintergrundmusik. Und ganz sicher nichts für eine kleine Nische.
Jazz sous les Pommiers zieht international renommierte Musiker an, ein ausgesprochen aufmerksames Publikum und eine Ernsthaftigkeit im Umgang mit Musik, die in Zeiten ständiger Ablenkung fast schon radikal wirkt.
Und doch findet all das in einer Stadt statt, in der die Abende normalerweise ruhig sind, das Leben noch einem menschlichen Rhythmus folgt und das Festival es schafft, zugleich groß und erstaunlich angenehm zu bleiben. 😌
Die Anfänge von Jazz sous les Pommiers: eine lokale Idee, die behutsam wuchs
Jazz sous les Pommiers begann nicht als große Kulturstrategie.
Es entstand so, wie viele gute Dinge in der Normandie entstehen: aus einem Gespräch, gemeinsamer Neugier und ohne die geringste Ahnung, wie groß es einmal werden würde.
Anfang der 1980er-Jahre fragten sich zwei lokale Enthusiasten — Thierry Giard, Lehrer, und Gérard Houssin, Kulturorganisator — ob Coutances ein Jazzfestival tragen könne, das die Musik ernst nimmt, ohne sich selbst zu ernst zu nehmen.
Die erste Ausgabe fand 1982 statt.
Keine internationalen Schlagzeilen, kein Hochglanz-Marketing und keinerlei Erwartung, dass man vierzig Jahre später noch darüber sprechen würde. Nur die Überzeugung: Wenn das Programm gut ist, kommt das Publikum — und wenn man es respektiert, kommt es wieder.
Genau das geschah.
Von Beginn an widersetzte sich das Festival engen Definitionen. New-Orleans-Jazz stand selbstverständlich neben zeitgenössischen Projekten, experimentellen Kooperationen und später sogar elektronischen Einflüssen, die zunächst Stirnrunzeln auslösten und dann still überzeugt haben.
Jährlich während der Himmelfahrtswoche im Mai veranstaltet, verankerte sich Jazz sous les Pommiers im Kalender von Coutances nicht als Unterbrechung, sondern als Verwandlung.
Zu wissen, wie bewusst dieses Festival gewachsen ist, erklärt, warum es sich heute noch so stimmig anfühlt, wenn man hindurchgeht. 👣
Ein Festival von beeindruckender Größe — ohne sein Gleichgewicht zu verlieren
Seien wir ehrlich.
Jazz sous les Pommiers ist groß.
Nicht „überraschend gut für eine kleine Stadt“. Sondern richtig groß. International. Von der Sorte, bei der man ansteht.
Mitte der 2000er-Jahre war das Ausmaß bereits bemerkenswert. Allein 2006 bot das Festival über tausend Konzerte und zog rund eine halbe Million Besucher über die Woche verteilt an.
2010 begrüßten einzelne Hauptveranstaltungen bis zu 37.000 Menschen — womit Jazz sous les Pommiers eindeutig zu den großen Jazzfestivals Europas gehörte.
Und ja, für bestimmte Künstler stehen wir an — gerne. 🙂
Die Menschen warten ruhig und geduldig, weil dies ein hörendes Publikum ist und Zuhören hier zählt. Handys bleiben größtenteils in den Taschen. Applaus kommt zur richtigen Zeit. Stille ist Teil der Musik.
Trotz seiner Größe wirkt das Festival nie, als würde es unter seinem eigenen Erfolg ächzen.
Das liegt daran, dass es sich verteilt statt sich zu ballen. Neben den großen Konzerten gibt es überall Straßenauftritte, die alltägliche Wege durch die Stadt zu einem Teil des Erlebnisses machen.
Man hetzt nicht von Ort zu Ort. Man schlendert. Man bleibt stehen. Man stolpert über Dinge, die man nicht geplant hatte.
Und sehr oft entdeckt man genau so die besten musikalischen Momente. 🎷
Wenn Coutances seine Straßen der Musik überlässt
Während Jazz sous les Pommiers wird das Zentrum von Coutances vollständig zur Fußgängerzone.
Das ist keine höfliche Empfehlung. Autos verschwinden tatsächlich. 🚶♀️🚶♂️
Die Stadt öffnet sich und wirkt plötzlich größer — nicht weil sie wächst, sondern weil nichts mehr hindurchrast.
Auf dem Place du Parvis, direkt vor der Kathedrale, entsteht eine große temporäre Spielstätte. Die Kulisse ist beeindruckend: Jahrhunderte alter Stein über sehr zeitgenössischen Klängen.
Von dort aus breitet sich das Festival über ein Netzwerk von Spielorten aus — Les Caves des Unelles, die Esplanade des Unelles, das städtische Theater, die Salle Marcel-Hélie und das Magic Mirrors — jeder mit eigener Atmosphäre.
Straßenauftritte fügen eine weitere Ebene hinzu. Der Jardin des Plantes wird zum Zuhörort. Auf dem Square de l’Évêché befindet sich die Bühne „Avis aux amateurs“, auf der Amateur- und Nachwuchsmusiker selbstbewusst auftreten.
Und dann gibt es die Cafés, Bars und Restaurants. 🍷🍽️
Während des Festivals fließt Live-Musik den ganzen Tag und bis spät abends auf die Terrassen. Bars und Restaurants sind lebhaft und voll, Tische werden schnell besetzt, und es ist völlig normal, sich auf ein Getränk zu setzen und aus Versehen für ein Konzert zu bleiben.
Niemand scheint sich daran zu stören — im Gegenteil, es fühlt sich genau so gewollt an.
Auch Foodtrucks tauchen in der ganzen Stadt wie aus dem Nichts auf und bieten sowohl schnelle Snacks als auch richtige Mahlzeiten an. 🚚🌮
Die Stimmung ist großartig — was zu Stoßzeiten allerdings auch Warteschlangen und volle Lokale bedeutet.
Einer der Vorteile, die wir seitdem wir direkt außerhalb der Stadt leben, besonders schätzen, ist die Flexibilität. Wir tauchen ins Getümmel ein, fahren dann nach Hause für ein ruhiges Essen, wenn es am vollsten ist, und kehren später ganz entspannt nach Coutances zurück.
Da das Gîte (Ferienhaus) in einer Scheune direkt neben unserem Wohnhaus liegt, haben Gäste hier denselben Luxus — sich kurz aus dem Trubel zurückziehen, ruhig essen, neue Energie tanken und anschließend wieder ins Festival eintauchen, ohne dass es sich nach Aufwand anfühlt. 🌿
Künstler, die bei Jazz sous les Pommiers gespielt haben
Im Laufe der Jahre hat Jazz sous les Pommiers eine außergewöhnliche Bandbreite international bekannter Künstler begrüßt — hier eine kleine Auswahl, um einen Eindruck zu vermitteln.
Curtis Mayfield (1990)
Herbie Hancock (1996)
Gregory Porter (2013)
Joshua Redman (2010, 2013, 2019 — erneut gebucht für 2026)
Pink Martini (2025)
Ich liebe Pink Martini. Sie gehören zu meinen persönlichen Favoriten, und sie in unserer kleinen Stadt spielen zu sehen, war wirklich ein Kinnlade-runter-Moment — im absolut besten Sinne. Das letzte Mal hatte ich sie in der Royal Albert Hall gesehen, daher fühlte sich ihr Auftritt in Coutances zugleich surreal und einfach großartig an. 😍
Künstler kehren zurück. Das Publikum auch. Diese Kontinuität sagt viel über den Ruf des Festivals aus.
Ein kleiner Moment, der alles sagt
In einem Jahr saßen wir nach einem Abendkonzert in der kostenlosen Navette, die zwischen dem Festivalzentrum und dem Bahnhof von Coutances pendelt.
Ich saß neben einem älteren Herrn, der ganz ruhig erzählte, er habe gerade einen Künstler gesehen, den er bereits vor zwanzig Jahren — und zwanzig Jahre davor — beim Festival erlebt habe.
Er sagte das mit stiller Zufriedenheit, nicht mit Nostalgie.
Für mich fasst das Jazz sous les Pommiers perfekt zusammen: Treue, ein langes Gedächtnis und tiefer Respekt vor guter Musik. ❤️
Warum es Sinn ergibt, außerhalb von Coutances zu wohnen
Während Jazz sous les Pommiers sind Unterkünfte in Coutances selbst sehr schnell ausgebucht.
In der Stadt zu wohnen passt für manche. Für andere bedeutet es Lärm, Parkplatzakrobatik und das Gefühl, dass das Festival nie wirklich endet.
Wir haben festgestellt, dass ein Aufenthalt direkt außerhalb von Coutances, im ländlichen Umfeld der Manche, der Woche einen ganz anderen Rhythmus gibt.
Von unserem Ferienhaus in Nicorps ist Coutances bequem mit dem Auto erreichbar. Das Parken tagsüber am Bahnhof von Coutances ist während des Festivals kostenlos, und eine kostenlose Navette fährt den ganzen Tag und Abend über zwischen Bahnhof und den wichtigsten Festivalorten.
Vom Ferienhaus aus ist der Bahnhof in weniger als zehn Minuten erreichbar.
Diese Navetten sind nicht nur praktisch — sie gehören zum ruhigen Grundrhythmus des Festivals.
Auch das Thema Barrierefreiheit spielt für uns jedes Jahr eine Rolle.
Meine Mutter kann keine langen Strecken laufen, daher nehmen wir immer ihren faltbaren Rollstuhl mit — und Jazz sous les Pommiers erweist sich als deutlich zugänglicher, als man es bei einem Festival dieser Größe erwarten würde.
Die Navetten nehmen den Rollstuhl problemlos mit, und sobald wir in der Stadt sind, finden wir immer Plätze zum Sitzen, Pausieren und um alles in einem angenehmen Tempo zu erleben.
Da das Zentrum autofrei ist und sich alles langsamer bewegt, fühlt es sich überschaubar statt überwältigend an — nicht nur für sie, sondern für uns alle.
Das gesagt: Einen Rollstuhl durch Coutances zu schieben, ist auch hervorragendes Training. Die Kathedrale hat die Angewohnheit, immer ganz oben auf dem Hügel zu liegen und verlangt mehrere Besuche pro Tag. 😄
Es gibt außerdem einen kleinen, aber überraschend wichtigen Wettervorteil, wenn man in der Nähe bleibt. Der Mai in der Normandie ist meist freundlich, aber er hält einen gern auf Trab. 🌦️
Da wir direkt außerhalb von Coutances wohnen, prüfen wir morgens die lokale Wettervorhersage, schauen in den Himmel und kleiden uns entsprechend — Schichten bei Bedarf, Sonnenbrille, wenn wir optimistisch sind, und eine leichte Regenjacke für alle Fälle.
Gäste, die hier wohnen, haben denselben Vorteil. Man trägt nicht den ganzen Tag alles mit sich herum oder bindet sich einen Pullover „für den Fall der Fälle“ um die Hüfte. Man trägt, was zum Tag passt, genießt das Festival, und wenn das Wetter seine Meinung ändert — was es manchmal tut — ist man nie weit von zu Hause entfernt.
Für viele ist der Unterschied letztlich ganz einfach: Man genießt abends Weltklasse-Musik und schläft nachts trotzdem gut. 😴
Ein Festival, das ohne festen Plan am besten funktioniert
Für sehr gefragte Headliner empfehlen wir immer, Tickets im Voraus zu buchen. Manche Namen sorgen für lange Schlangen, und ganz leer auszugehen ist selten das Ziel.
Ein großer Teil dessen, wie wir Jazz sous les Pommiers erleben, ist jedoch deutlich ungezwungener.
Wir ziehen gern von Bar zu Bar, wechseln zwischen kostenlosen Bands, hören hier eine halbe Set, dort einen überraschenden Moment, und entdecken Künstler, die wir überhaupt nicht eingeplant hatten.
Es ist gesellig, entspannt und sehr Coutances. Kein Zeitplan. Kein Druck. Einfach dem Klang folgen und sehen, wohin er führt. 🎶
Zum Schluss
Jazz sous les Pommiers beweist, dass ein Festival zugleich groß und menschlich sein kann.
International, ohne anonym zu sein. Lebendig, ohne erschöpfend zu wirken. Ernsthaft in der Musik, ohne sich selbst zu ernst zu nehmen.
Es ist einer der Gründe, warum wir ihm jeden Frühling wieder Raum geben. 🌸
Wenn Sie einen Aufenthalt in der Normandie im Mai planen und ihn mit etwas wirklich Besonderem verbinden möchten, ist dieses Festival ein überzeugender Grund zu kommen.
Und wenn Sie es genießen möchten, ohne auf Platz, Schlaf oder innere Ruhe zu verzichten, dann verwandelt ein Aufenthalt außerhalb von Coutances ein außergewöhnliches Festival in eine wirklich erholsame Auszeit.
Wie bei allen guten Dingen hier gilt: ruhig buchen — aber nicht zu spät. 🎷
Der Grundpreis gilt bequem für bis zu 6 Gäste. Größere Gruppen (bis zu 10 Personen) sind gegen einen kleinen Aufpreis pro Nacht willkommen.
Der Gesamtpreis wird automatisch berechnet, sobald Sie Ihre Reisedaten eingeben — ohne Überraschungen.
